Daten und Fakten zum Aralsee

Das Aralseebecken liegt zwischen 55 °00′ E und 78°20′ E und zwischen 33 °45′ N und 51°45′ N.

Das Aralseebecken hat eine Gesamtfläche von 2,7 Millionen km2 und wird von sieben Ländern geteilt: Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und die Islamische Republik Iran.

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Der Aralsee war einst das viertgrößte Binnenmeer der Welt. Die Probleme begannen in den 1960er und 1970er Jahren mit der Umleitung der Flüsse Amu Dar’ya und Syr Dar’ya, um Baumwolle auf trockenem Land im damaligen sowjetischen Zentralasien anzubauen. An diesen beiden Flüssen wurden vierundneunzig Wasserreservoirs und 24.000 km Kanäle gebaut, um die Bewässerung von 7 Millionen ha landwirtschaftlicher Nutzfläche zu unterstützen.
1963 betrug die Oberfläche des Aralsees 66.100 km2 mit einer durchschnittlichen Tiefe von 16 Metern und einer maximalen Tiefe von 68 Metern. Der Salzgehalt betrug 1%. Bis 1987 waren 27.000 km2 des ehemaligen Seegrundes zu trockenem Land geworden. Etwa 60% des Volumens des Aralsees waren verloren gegangen, seine Tiefe war um 14 Meter zurückgegangen und seine Salzkonzentration hatte sich verdoppelt. In den 1990er Jahren erhielt es weniger als ein Zehntel seines vorherigen Durchflusses – und manchmal überhaupt kein Wasser.

Heute ist das Meer um 75 % seiner 66.100 km2 Größe reduziert und hat sich in zwei Teile geteilt. Bei der derzeitigen Rückgangsrate könnte der Aralsee bis 2020 vollständig verschwinden.

Derzeit werden täglich etwa 200.000 Tonnen Salz und Sand vom Wind aus dem Aralseeraum getragen und in einem Umkreis von 300 km entsorgt. Die Salzverschmutzung verringert die für die Landwirtschaft verfügbare Fläche, zerstört Weiden und schafft einen Mangel an Futter für Vieh. Der Viehbestand ist in der Region so niedrig geworden, dass die Regierung ein Dekret erlassen hat, um ihre Schlachtung für Lebensmittel zu reduzieren.

Die Folgen für die Gesundheit waren genauso schlimm. Die Menschen in Qyzlorda in Kasachstan, Dashhowuz in Turkmenistan und Karakalpakstan in Usbekistan erhalten mit Düngemitteln und Chemikalien kontaminiertes Wasser, das für den menschlichen Verzehr oder die Landwirtschaft ungeeignet ist.

Das Trinkwasser in der Region enthält viermal mehr Salz pro Liter als der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Grenzwert.

Die Tuberkulose hat epidemische Ausmaße angenommen. In einigen Städten gibt es schätzungsweise 400 Fälle von 100.000 Einwohnern.

Die Säuglingssterblichkeit hat in einigen Regionen 100 pro 1.000 Lebendgeburten erreicht — höher als der Durchschnitt für Südasien. Etwa 70% der 1,1 Millionen Menschen in Karakalpakstan leiden an chronischen Krankheiten — Atemwegserkrankungen, Typhus, Hepatitis und Speiseröhrenkrebs.

Die Unabhängigkeit der zentralasiatischen Staaten hat die Krise nicht eingedämmt. Tatsächlich hat ihre mangelnde Zusammenarbeit zu einer stetigen Verschlechterung der Indikatoren für Lebensunterhalt, Gesundheit und Wohlbefinden geführt. Die Baumwollerträge sind seit den frühen 1990er Jahren um ein Fünftel gesunken, aber die Übernutzung von Wasser geht weiter. Der Verlust von vier Fünfteln aller Fischarten hat die einst lebendige Fischereiindustrie in den nachgelagerten Provinzen ruiniert. Während 1959 im Aralsee fast 50.000 Tonnen Fisch gefischt wurden, betrug die jährliche Fangmenge 1994 nur noch 5.000 Tonnen.

Durch ein gemeinsames Projekt mit der Weltbank, das 2001 initiiert wurde, hat Kasachstan den Kok-Aral-Damm und eine Reihe von Deichen und Kanälen gebaut, um den Wasserstand in den nördlichen (und schließlich südlichen) Teilen des Aralsees zu sanieren. Das Projekt bringt bereits Vorteile: Die Fläche der Nordsee hat sich um ein Drittel erweitert, und der Wasserstand ist von etwa 29 Metern auf etwa 40 Meter gestiegen. Wenn die Fortschritte anhalten, sind die Aussichten für die Sanierung der Fischereigemeinden und die Wiederherstellung der Nachhaltigkeit vielversprechend. Wenn sich auch andere Beckenländer beteiligen, würde der Spielraum für eine beckenweite Sanierung erheblich zunehmen.

Informationen aus:
der 2. UN-Weltwasserentwicklungsbericht: ‘Wasser, eine gemeinsame Verantwortung’
der Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung 2006
die Veröffentlichung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen GEO Year Book 2003
der UNESCO-Kurier-Artikel ‘Der Aralsee: Zurück vom Abgrund?’

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